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Wissen
Ausgewählte Kurzinformationen und Links zu wichtigen Studien aus den Themenfeldern Ernährung, Bewegung und Übergewichtsprävention.
Sinkende Übergewichtsraten bei Schuleingangsuntersuchungen
Schuleingangsuntersuchung aus dem Jahr 2008 zeigt gegenüber 2004 in den meisten Bundesländern einen Rückgang der Übergewichtsentwicklung. Experten geben keine Entwarnung.
Eine bundesweit durchgeführte Studie der Arbeitsgruppe um Professor Dr. med. Martin Wabitsch an der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin
zeigt: Im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen konnte für nahezu alle Bundesländer ein Rückgang der Prävalenzzahlen für Übergewicht und Adipositas beobachtet werden. Die Auswertungen von Schuleingangsuntersuchungen an mehr als 607. 444 Einschulkindern aus dem Jahr 2008 zeigte im Vergleich zum Jahr 2004 erstmals einen leichten Rückgang um 3 Prozent bei übergewichtigen und 1,8 Prozent bei adipösen Kindern. Ausgenommen waren die Länder Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, in denen ein leichter Anstieg zu verzeichnen war. Ob diese Entwicklung für ältere Kinder und Jugendliche ebenfalls zutrifft und ob dieser Trend von Dauer ist, war nicht Gegenstand der Untersuchung.
Die Stagnation bzw. Reduktion der Prävalenzzahlen bei Schulanfängern ist insofern beachtlich, als das seit Mitte der 1980er Jahre ein steter Anstieg der Diagnosen für Übergewicht und Adipositas im Kindesalter zu dokumentieren war. So verdeutlichte zum Beispiel der Vergleich von Gewichtsdaten von Ulmer Schulkindern aus dem Jahr 1975/76 mit Daten aus dem Jahr 2006 einen Anstieg der Zahl übergewichtiger Schulkinder um das 2,5 fache.
Dennoch gibt Prof. Martin Wabitsch keine Entwarnung: „Die Entwicklung der Prävalenzraten bedeutet keinesfalls, dass wir unsere Bemühungen zur Prävention von Übergewicht und Adipositas einstellen können. Trotz des dokumentierten Rückgangs bleiben die Prävalenzraten übergewichtiger und adipöser Einschüler in Deutschland auf einem hohen Level“.
Aktuell liegen die Befundhäufigkeiten bei Kindern mit Übergewicht zum Zeitpunkt der Einschulung zwischen 8,4 Prozent (Sachsen) bis 11,9 Prozent (Bremen und Thüringen) und bei Kindern mit Adipositas zwischen 3,3 Prozent (Brandenburg, Sachsen) und 5,4 Prozent (Saarland).
"Im Einschulalter weisen Kinder die niedrigsten Übergewichtshäufigkeiten auf", bestätigt auch Prof. Dr. med. Hans Hauner, Präsident der DAG. "Die eigentlich kritischen Phasen sind die Präpubertät und die Pubertät, hier liegt die Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas um das Zwei- bis Dreifache höher. Darüber haben wir jedoch keine Daten, weil spätere Schuluntersuchungen ganz gestrichen wurden", so Hauner.
Ansprechpartner bei Fragen zur Studie:
Dr. Anja Moß, Prof. Dr. Martin Wabitsch
Sektion Pädiatrische Endokrinologie u. Diabetologie
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universität Ulm
Eythstr. 24; 89075 Ulm
Tel: 0731 500 57401
anja.moss(at)uniklinik-ulm.de
Die aktuelle Auswertung zur Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei deutschen Schulanfängern erscheint demnächst im European Journal of Pediatrics. Weitere Informationen zum Bericht sind bereits jetzt auf der Webseite der DGKJ veröffentlicht: http://www.dgkj.de/index.php?id=518
peb-Umfrage „Familien in Bewegung“
Mit der peb-Umfrage „Familien in Bewegung“ hat die Plattform Ernährung und Bewegung weitere Kenntnisse zum Verständnis der Voraussetzungen und Hinderungsgründe für ausreichend Bewegung im Familienalltag gewonnen. Die Umfrage beleuchtet die Schwierigkeiten, die Eltern in der Umsetzung eines gesunden Lebensstils mit viel Bewegung sehen und zeigt auf, welche strukturellen Veränderungen sie sich hierfür wünschen.
Die Umfrage wurde im Auftrag von peb von dem Marktforschungsinstitut iconKIDS&YOUTH durchgeführt. Insgesamt wurden in einem Zeitraum von vier Wochen über 700 Mütter von mindestens einem Kind im Alter von sechs bis zwölf Jahren in persönlichen Gesprächen interviewt.
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen vor allem eines deutlich: Das Wissen ist da – aber die Umsetzung fällt schwer!
Kernergebnisse der Studie:
- Fast alle Mütter fühlen sich gut oder ausreichend informiert, wenn es um einen gesunden Lebensstil von Kindern geht. Die Bedeutung von genügend Bewegung und ausgewogener Ernährung sind weitgehend bekannt!
- Für die meisten Mütter ist der Zeitmangel das größte Hemmnis, ihre Kinder zu mehr Bewegung zu motivieren. Des Weiteren werden beschränkte finanzielle Mittel, fehlender Platz in der Wohnung oder mangelnde Sportangebote als Hinderungsgründe angesehen.
- Vielen Eltern ist die Bedeutung der ihrer Vorbildfunktion nicht genügend bewusst
- Für die wenigsten Mütter steht eine zu hohe Mediennutzung (Fernsehen, Computer etc.) in Zusammenhang mit zu wenig Bewegung der Kinder.
- Mütter sehen sich nach wie vor als hauptverantwortlich für die Erziehung zum gesunden Lebensstil ihrer Kinder. Laut ihren Aussagen kümmert sich kaum ein Vater maßgeblich um die Bewegungsförderung der Kinder. Vor allem vor dem Hintergrund des Zeitmangels bleibt hinsichtlich der Einbeziehung der Väter für die Bewegungsförderung ein großes Potenzial ungenutzt.
Ausführliche Hintergrundinformationen zur peb-Umfrage „Familien in Bewegung“ finden Sie hier
Die Pressemitteilung zur peb-Umfrage „Familien in Bewegung“ finden Sie hier
peb-Studie Junge Eltern
Mit der „peb-Studie Junge Eltern“ untersuchte die Plattform Ernährung und Bewegung die Einflussfaktoren auf das Ernährungs- und Bewegungsverhalten junger Familien in der frühen Phase der Kindheit und beleuchtet Hintergründe zu Einstellungen, Lebensstil, Gesundheitsbewusstsein, Ernährungs- und Bewegungsverhalten sowie das Erziehungsverhalten.
Der Fokus der Studie liegt auf dem Einfluss der Familie auf die Themen Ernährung und Bewegung insbesondere in der frühen Phase der Kindheit. Die peb-Studie liefert neue Erkenntnisse zu Motiven und Hinderungsgründen für gesundheitsorientiertes Verhalten in jungen Familien.
Die Studie wurde im Auftrag von peb durch rheingold, dem Institut für morphologische Marktforschung, durchgeführt. In einem zweistufigen Aufbau mit 300 standardisierten Interviews sowie 30 tiefenpsychologischen Interviews wurden insgesamt 330 Eltern von Kindern im Alter von 0-3 Jahren befragt. Die Ergebnisse der Studie zeigen vor allem, dass der Alltag in jungen Familien oft von zu viel Konfliktvermeidung und von zu wenig Regeln und Strukturen geprägt ist.
Weitere Kernergebnisse der Studie:
- Um Konflikte zu vermeiden, versuchen junge Eltern ihre Kinder mit Medienkonsum und Lebensmitteln (außerhalb der Mahlzeiten) ruhig zu stellen.
- Der Alltag in jungen Familien ist immer weniger durch Regeln, Rituale und feste Essenszeiten geprägt. Die Eltern machen ihren Kindern wenige Vorgaben und setzen kaum Grenzen.
- Der Kinderarzt ist die wichtigste und am häufigsten aufgesuchte Vertrauensperson der jungen Eltern.
- Junge Eltern hemmen oft den natürlichen Bewegungsdrang ihrer Kinder statt ihn zu fördern. Bewegung impliziert Loslassen und Fortbewegung, also eine Lockerung der Bindung, die oftmals von jungen Eltern unbewusst abgelehnt bzw. sogar gefürchtet wird.
- Väter sind zumeist aktiver bei der Bewegungsförderung ihrer Kinder als Mütter.
- Jungen Eltern bereitet es noch immer eher Sorgen, dass Kinder zu wenig essen als zuviel essen.
- Der Anspruch, dass die eigenen Kinder die Gewichtsnormen erfüllen, ist in jungen Familien mit gehobenem Sozialstatus ausgeprägter als in Familien mit niedrigem Sozialstatus.
- Die grundsätzlichen Informationen zum gesunden Lebensstil sind den meisten jungen Eltern bekannt. Die Umsetzung im Alltag fällt jedoch oft schwer.
- Sprechen junge Eltern über einen gesunden Lebensstil, wird dem Thema Ernährung ein hoher Stellenwert eingeräumt, das Thema Bewegung wird kaum erwähnt.
Nestlé-Studie 2010: So is(s)t Schule
Im Rahmen der Studie „So is(st) Deutschland“ befragte Nestlé bundesweit 750 Ganztagsschüler und 750 Eltern zum Thema Ernährungsqualität in Schulen. Insgesamt bewerten die Schüler die Qualität ihrer Mensa mit der Schulnote 2,9 („befriedigend"). Entsprechend fühlt sich jeder vierte Schüler nach dem Essen in der Mensa müde und träge, weitere 32 Prozent geben an, schwer und lustlos in den Nachmittagsunterricht zu starten. Bei den Eltern dominiert laut Nestlé-Studie die Einstellung, dass die Schulmensa vor allem deshalb nützlich ist, weil sie sie entlastet (73 Prozent). Dennoch konnten nur 59 Prozent der Eltern sagen, von welchem Caterer das Schulessen angeliefert wird. Nur ein Viertel der Eltern gibt an, dass ihnen gesundheitliche Aspekte wichtig sind, Preis und Sauberkeit rangierten in der Prioritätenliste der Eltern weitaus höher.
AOK-Familienstudie
Ziel der AOK-Studie 2010 ist es, gesundheitsfördernde Faktoren herauszuarbeiten und Eltern praxistaugliche Tipps zur Umsetzung im Familienalltag zu geben. Die Ergebnisse der Studie zeigen vor allem, dass es weniger die großen Anstrengungen sind sondern die kleinen regelmäßigen Selbstverständlichkeiten im Familienalltag, die die psychische Stabilität von Kindern stärken und vor Übergewicht schützen. Eine zentrale Rolle nehmen die gemeinsamen Mahlzeiten ein, allen voran das gemeinsame Frühstück. So belegt die Studie, dass kein regelmäßiges Frühstück mit den Kindern die Wahrscheinlichkeit des kindlichen Übergewichts um das 1,6 fache steigert.
Fachartikel: Bewegung in Schwangerschaft und Stillperiode bei mütterlichem Übergewicht
PD Dr. med. Ulrike Korsten-Reck von der Medizinischen Universität Freiburg führt in ihrem wissenschaftlichen Beitrag für die „Zeitschrift für Geburtshilfe und Neonatologie“ (Ausgabe 03/2010) die positiven Einflüsse von ausreichend Bewegung in Schwangerschaft und Stillperiode aus. Regelmäßige körperliche Aktivität kann demnach eine übermäßige Gewichtszunahme verhindern und den Gewichtsstatus auch nach der Schwangerschaft günstig beeinflussen. Zudem führt Korsten-Reck, die auch Sprecherin des peb-Expertenbeirats ist, aus, dass Überernährung der Mutter und mangelnde körperliche Aktivität ebenfalls eine entscheidende Weichenstellung für das Neugeborene sind und die kindliche Gewichtsentwicklung beeinflussen können.
KiGGS-Studie „Bundesweiter Kinder- und Jugendgesundheitssurvey“ (KiGGS)
Im Rahmen der KiGGS-Studie wurden 18.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 17 Jahren von 2003 bis 2006 befragt und untersucht. Die Ergebnisse wurden 2007 der Öffentlichkeit vorgestellt.
Rund 15 Prozent oder 1,9 Millionen der Kinder von 3 bis 17 Jahren in Deutschland sind übergewichtig – über sechs Prozent oder ca. 800.000 sind fettleibig. Mit dem Alter steigt auch der Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder an.
Motorik-Modul (MoMo) der KiGGS-Studie
Mit dem Motorik-Modul der KiGGS-Studie wurde die körperliche Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen untersucht.
In den letzten 25 Jahren ist ein Rückgang der Leistungsfähigkeit von teilweise über 10 Prozent zu verzeichnen. Die Kinder laufen heute langsamer, und auch die Beweglichkeit hat messbar nachgelassen.
Nationale Verzehrsstudie II (NVS II)
Die bundesweite Studie des Max-Rubner-Instituts wurde von November 2005 bis Dezember 2006 erhoben und legt Daten zum Ernährungsverhalten und zur Übergewichtssituation bei Jugendlichen und Erwachsenen vor.
Demnach sind 66 Prozent der Männer und rund 51 Prozent der Frauen in Deutschland übergewichtig oder adipös.
DONALD-Studie
Die DONALD-Studie des Dortmunder Forschungsinstituts für Kinderernährung wurde 1985 als Langzeitstudie begonnen und wird bis heute weitergeführt. Die Studie sammelt Daten zum Ernährungsverhalten und zum Wachstum von gesunden Kindern von der Geburt bis zum Ende ihres Wachstums und untersucht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Ernährungsverhalten, Nahrungsverzehr, Wachstum, Entwicklung, Ernährungsstatus, Stoffwechsel und Gesundheit.

